Rennsport-Helme für internationale Rennen müssen ab 2026 die extreme FIM-Norm FRHPhe-02 erfüllen. 24Helmets.de gibt einen Überblick über die Ziele dieser Vorschrift.
Die internationalen Motorradrennen werden von der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM), dem weltweiten Dachverband für Motorradrennsport, geregelt. Um die Sicherheit der Fahrer und Fahrerinnen in ihren Rennen weiter zu erhöhen, hat die FIM 2016 das „FIM Racing Homologation Programme for Helmets“ (FRHPhe) ins Leben gerufen. Die FRHPhe-02 ist die aktuellste Version dieses FIM-Standards und ab 2026 für alle Helme in allen FIM-Weltmeisterschaften – Rundstrecken- und Offroad-Rennen – verpflichtend.
Heißt die Norm nicht FIM2 oder FIM02?
Nein. Aber der korrekte Begriff "FIM Racing Homologation Programme for Helmets“ (Kurzform: FRHPhe) kommt keinem normalen Menschen fehlerfrei über die Zunge. Die freie Wortschöpfung FIM2 ist zwar falsch, läßt sich aber viel besser anwenden als FRHPhe-02 und wird im Alltag viel öfter verwendet.
Worauf liegt der Fokus der FRHPhe-02?
1. Reduzierung von Rotationskräften
Anders als ältere Helmnormen, die primär den senkrechten Aufprall berücksichtigten, konzentriert sich die FRHPhe-02 stärker auf Rotationskräfte. Dadurch, daß ein Helm bei den meisten Stürzen schräg auf eine Oberfläche trifft, entsteht eine Drehbewegung (Rotation) von Helm und Kopf. Diese überträgt sich auf das Gehirn und führt zu dessen Verdrehung im Schädel. Die Folge können Gehirnerschütterungen oder traumatische Hirnverletzungen (TBI) sein. Das Ziel der FRHPhe-02 ist es, diese kritischen Belastungsspitzen effektiv zu minimieren.
2. Verbesserte Stoßabsorption bei linearem Aufprall
Die FRHPhe-02 hat auch die Anforderungen an die Stoßabsorption bei linearem Aufprall im Vergleich zu anderen Normen noch einmal erhöht. Die FIM-Helme werden mit der höchsten Aufprallgeschwindigkeit getestet, die jemals in einer Zulassungsnorm gefordert wurde (bis zu 8,2 m/s bei FRHPhe-02, bis zu 7,5 m/s bei ECE-R 22.06 und bis zu 6,0 m/s bei DOT). Dazu wurden neue Kriterien eingeführt, um das Risiko eines Schädelbruchs zu bewerten und die Stoßabsorption, insbesondere bei hohen Belastungen durch Einschläge, zu optimieren.
Wie schützen ARAI, HJC und SHOEI vor Rotationskräften?
Um die strengeren Anforderungen der FRHPhe-02 zu erfüllen, verwenden die Hersteller ARAI, HJC und SHOEI folgende Techniken:
Der ARAI RX-7V FIM Racing #2 setzt auf ein Design, das die Rotationskräfte bereits an der Außenseite minimieren soll. Im Mittelpunkt steht das „R75-Konzept“ des Herstellers. Dieses besagt, dass die Außenschale des Helms einen kontinuierlichen, glatten Krümmungsradius von mindestens "75 mm" aufweisen muss. Das Ziel dieses glatten, runden Designs ist das „Glancing Off“. Bei einem schrägen Aufprall auf den Boden soll der Helm abgleiten, anstatt sich zu verhaken.
Der HJC RPHA1 V2 Carbon schützt durch eine PIM+ Carbon-Schale (Premium Integrated Matrix Plus): Die Schale besteht aus einem Mix von Materialien, einschließlich Carbon- und Carbon-Geweben, was zu einer extrem stoßfesten und gleichzeitig leichten Konstruktion führt. Ein geringes Gewicht (ca. 1400g in Größe M) soll helfen, das Trägheitsmoment und damit die Belastung des Nackens und des Kopfes bei einem Aufprall zu reduzieren. Eine glatte, strömungsgünstige Oberfläche und eine kompakte Form helfen, das Hängenbleiben und die damit verbundene plötzliche Übertragung von Rotationskräften bei einem Sturz zu minimieren.
Der SHOEI X-SPR Pro 02 verwendet ein modulares EPS-Liner-System: Der stoßabsorbierende Polystyrolkern (EPS) ist mehrteilig und modular aufgebaut mit unterschiedlichen Dichten. Dieses komplexe System ermöglicht eine gezielte Absorption der Energie in verschiedenen Bereichen und bei verschiedenen Aufprallwinkeln, was auch zur Reduzierung der Rotationskräfte beiträgt, indem die Aufprallenergie schneller abgebaut wird.
Müssen Rennfahrer in Deutschland FIM-Helme tragen?
Bei Veranstaltungen, die ein Prädikat des internationalen Motorrad-Weltverbandes FIM tragen (z.B. Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, FIM-Weltcups oder bestimmte internationale Preiswettbewerbe), gilt auf Rundstrecken- und für Offroad-Rennen eine FIM-Helm-Pflicht.
Für die meisten nationalen Rennen, Meisterschaften und Breitensport-Veranstaltungen in Deutschland ist die FIM-Homologation nicht zwingend erforderlich. Die Helme müssen jedoch die Anforderungen des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) erfüllen. Der DMSB akzeptiert in der Regel Schutzhelme, die eine der anerkannten internationalen Prüfnormen erfüllen. Dies umfasst üblicherweise:
- ECE-R 22.06 (oder der Vorgänger ECE-R 22.05 Typ P)
- SNELL (M2020R, M2020D)
- JIS (Japanische Industrienorm)
- FIM (FRHPhe-01 oder FRHPhe-02)
Wie ist das Verhältnis zwischen ECE-R22.06 und FRHPhe-02?
Bevor Rennsport-Helme überhaupt die FIM-Homologation durchlaufen können, müssen sie bereits eine etablierte Sicherheitsnorm erfüllen. In Europa ist dies zurzeit die ECE-R 22.06. Die Anforderungen der FRHPhe-02 gehen jedoch über die der ECE-R 22.06, insbesondere beim Rotationsschutz und bei der Aufprallenergie, hinaus.
Ist ein FRHPhe-02-homologierter Helm sicherer als ein ECE-R 22.06 Helm?
Ja. Während die ECE-R 22.06 einen sehr guten und umfassenden Schutz für den allgemeinen Straßenverkehr darstellt (inklusive Rotationsprüfung), geht die FIM FRHPhe-02 gezielt über diese Anforderungen hinaus, um einen maximalen Schutz unter den extremen Bedingungen des Rennsports zu gewährleisten.
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- ARAI RX-7V FIM Racing #2
- HJC RPHA1 V2 Carbon
- SHOEI X-SPR Pro 02